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Marie
und Pierre Curie |
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| Da unsere ersten ausländischen
Partner Schulen aus den Ländern Polen und Frankreich waren, gaben wir
uns den Namen Europaschule „Marie & Pierre Curie".
Das
Ehepaar CURIE war ein Forscherehepaar, das unter sehr ungünstigsten
Bedingungen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts großartige
Forschungsergebnisse erzielte. Mit der Entdeckung der Radioaktivität
und einiger radioaktiver Elemente gehören sie zu den Pionieren der
Kernforschung und leisteten einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der
Atomphysik.
Polonium
und
Radium,
das Strahlende
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Marya
Sklodowska - eine Polin in Paris |
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| MARYA
SKLODOWSKA wurde am 7. November 1867 als jüngstes von fünf Kindern
einer Lehrerfamilie in Warschau geboren. Die Mutter starb, als MARIE
fünf Jahre alt war. MARIE besuchte das Gymnasium und zeigte neben
naturwissenschaftlichem Interesse Neigung zu Literatur und Sprachen. Sie
lernte Französisch, Russisch, Deutsch und Englisch. 1883 schloss sie
das Gymnasium als beste Schülerin ab und arbeitete dann einige Jahre
als Hauslehrerin. Da für sie als Frau ein Studium in Polen nicht
möglich war, ging sie im Herbst 1891 nach Paris und begann ein Studium
an der Pariser Universität, der Sorbonne. Die Bearbeitung ihres ersten
wissenschaftlichen Themas führte sie 1894 mit dem Physiker PIERRE CURIE
zusammen. Beide fanden Gefallen aneinander und heirateten ein Jahr
später. Mit zwei Fahrrädern gingen sie auf Hochzeitsreise.
Anschließend begann ihre gemeinsame wissenschaftliche Arbeit. |
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Pierre
Curie - ein Franzose aus Paris |
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| PIERRE
CURIE wurde am 15. Mai 1859 in Paris geboren. Sein Vater hatte als Arzt
aktiv an der Pariser Commune teilgenommen und seinen beiden Söhnen eine
entsprechende politische Haltung nahegebracht. PIERRE legte 1875 die
Reifeprüfung ab und studierte dann Physik und Chemie an der Pariser
Universität. Anschließend arbeitete er als Assistent an der Sorbonne
und an verschiedenen Lehreinrichtungen. Gemeinsam mit seinem Bruder
entdeckte er 1880 die Piezoelektrizität, also das Auftreten
elektrischer Ladungen bei der Verformung von Kristallen. Weitere
Arbeiten führte er in den folgenden Jahren zu einer Theorie der
Kristallbildung und zu physikalischen Eigenschaften von Kristallen
durch. In seiner Doktorarbeit, die er 1895 abschloss, untersuchte er die
Temperaturabhängigkeit der magnetischen Eigenschaften von Stoffen. Er
entdeckte, dass oberhalb einer bestimmten Temperatur ferromagnetische
Stoffe ihre magnetischen Eigenschaften verlieren. Diese Temperatur wird
heute als Curiepunkt bezeichnet. Anschließend arbeitete CURIE an der
Pariser Schule für Physik und industrielle Chemie und unterrichtete
dort Physik. |
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Gemeinsame
wissenschaftliche Arbeiten |
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| MARIE
CURIE begann ihre wissenschaftliche Arbeit 1896 mit der Erforschung der
von HENRI BECQUEREL (1852-1908) im gleichen Jahr entdeckten
Becquerel-Strahlung, die sich kurze Zeit später als radioaktive
Strahlung herausstellte. Diese Bezeichnung geht auf das Ehepaar CURIE
zurück. In der Schule ihres Mannes fand sie bescheidene Bedingungen
vor, diese Strahlung näher zu untersuchen. Sie stellte fest, dass auch
Thorium derartige Strahlen aussendet und untersuchte schließlich die
ganze Mineraliensammlung des Institutes. Bald fand sie, dass einige
Minerale sehr stark strahlen, weit stärker als sie es aufgrund ihres
Gehaltes an Uran oder Thorium durften. Sie vermutete in diesen
Präparaten bisher nicht bekannte, stärker strahlende Elemente und
versuchte nun in mühevoller Arbeit, diese zu isolieren. |
| PIERRE
CURIE gab 1898 seine eigenen Forschungen auf und half seiner Frau dabei.
In einem baufälligen Schuppen analysierten sie Tonnen von
Uranpechblende von den Abraumhalden aus Joachimsthal in Böhmen. Zur
Beschaffung dieses Materials ließen sie sich ihre Lebensversicherung
auszahlen. Im Juli 1898 isolierten sie schließlich das radioaktive
Element Polonium (benannt nach der polnischen Heimat von MARIE CURIE)
und einige Wochen später das Radium (das "Strahlende") als
besonders stark strahlendes Element. Sie führten auch den Begriff
Radioaktivität in die Wissenschaft ein. Für die Reindarstellung der
neu gefundenen Elemente benötigten sie weitere Jahre. |
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| Der
nachfolgende Bericht von MARIE CURIE gibt einen Einblick in die
mühevolle Arbeit. |
| "Wir
hatten zur Lösung dieser wichtigen und schweren Aufgabe kein Geld, kein
Laboratorium, keine Hilfskräfte zu unserer Verfügung. Wir mußten
sozusagen alles aus dem Nichts schaffen. ... Ich kann ohne Übertreibung
feststellen, daß es für meinen Mann und mich eine Zeit heroischer
Anstrengungen war... Und dennoch, die im elenden Hangar verbrachten
Jahre waren die besten, glücklichsten, einzig der Arbeit geweihten
Jahre unseres Lebens. Oft kam es vor, daß ich unser Mittagessen an Ort
und Stelle zubereitete, denn so mußten wir keine wichtige Arbeit
unterbrechen. Manchmal hatte ich von früh bis spät eine kochende Masse
umzurühren, mit einer Eisenstange, die kaum kleiner war als ich selbst.
Abends war ich dann todmüde." |
Inzwischen
war dem Ehepaar 1897 eine Tochter geboren worden, IRENE. Sie und ihr
Ehemann FREDERIC JOLIOT-CURIE (1900-1958) wurden später ebenfalls
berühmte Physiker und auch Nobelpreisträger.
1900 erhielt MARIE CURIE die Genehmigung, an einer Pariser
Mädchenschule Physikvorlesungen zu halten. 1903 promovierte sie mit
einer Arbeit "Forschungen über radioaktive Substanzen".
Im gleichen Jahr erhielt das Ehepaar gemeinsam mit HENRI BECQUEREL für
die Entdeckung der Radioaktivität den Nobelpreis für Physik. PIERRE
CURIE bekam 1904 einen Lehrstuhl an der Sorbonne.
Er beschäftigte sich weiter mit radioaktiver Strahlung, führte den
Terminus "Halbwertszeit" ein und stellte ein Zerfallsgesetz
auf.
Leider starb er bereits drei Jahre später. Er geriet am 19. April 1906
auf einer belebten Pariser Straße unter ein schweres Pferdefuhrwerk.
Damit war er der erste berühmte Physiker, der bei einem Verkehrsunfall
ums Leben kam. |
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In
einer Arbeit von 1903 schrieb PIERRE CURIE über das Radium:
"Wir haben entdeckt, daß Radiumsalze dauernd Wärme entwickeln.
Ein Gramm Radium entwickelt stündlich eine Wärmemenge der
Größenordnung 100 kleiner Kalorien. Ein Grammatom Radium (225 g)
würde stündlich 22 500 Kalorien entwickeln, d. h.
größenordnungsmäßig ebensoviel wie die Verbrennung eines Grammatoms
Wasserstoff in Sauerstoff ergibt. Eine andauernde Entwicklung solcher
Mengen von Wärme kann mit den uns vertrauten chemischen Umwandlungen
nicht erklärt werden. Wenn wir den Ursprung der Wärmeentwicklung in
einer inneren Umwandlung suchen, muß diese von einer viel
tiefergreifenden Natur sein und einer Umwandlung des Radiumatoms
zuzuschreiben sein. Allerdings geht diese Umwandlung, wenn überhaupt,
äußerst langsam vor sich. Es zeigen sich nämlich selbst über Jahre
hin keine wesentlichen Änderungen in den Eigenschaften des Radiums, und
Demarcuay hat keinerlei Unterschiede im Farbspektrum ein und desselben
Radiumchloridpräparats gefunden, während er es in Abständen von 5
Monaten untersuchte. Wenn sich obige Annahmen als richtig erweisen, muß
die bei der Umwandlung des Atoms freigesetzte Energie außerordentlich
groß sein."
(Aus : P. Curie, A. Laborde: Sur le chaleur dégagée spontanément par
les sels de radium. Comptes rendus de I'Academie des Sciences, Paris
1903) |
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Marie
Curie - ihr weiteres Wirken |
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MARIE
CURIE setzte nach dem Tod ihres Mannes die Arbeit allein fort. Bereits
im Mai 1906 wurde ihr der Lehrstuhl ihres Mannes übertragen. Bis 1911
gingen aus der von ihr geleiteten Arbeitsgruppe 69 Publikationen hervor.
Weltweit wurde sie anerkannt, sie war Mitglied vieler Akademien und
wissenschaftlicher Gesellschaften im In- und Ausland. 1911 erhielt sie
den Nobelpreis für Chemie für die Reindarstellung des Radiums, die ihr
in mehrjähriger Arbeit gelungen war.
Im Ersten Weltkrieg arbeitete sie im französischen Gesundheitswesen
beim Aufbau eines radiologischen Dienstes, manchmal unmittelbar an der
Front. Nachdem sie den Aufbau mehrerer fahrbarer und stationärer
Röntgenanlagen organisiert hatte, erlernte sie das Fahren eines LKW, um
im Notfall selbst die Anlage zum Einsatzort fahren zu können.
Trotz aller wissenschaftlichen Erfolge blieb MARIE CURIE stets eine
einfache und bescheidene Frau. 1910 lehnte sie, wie früher schon PIERRE
CURIE, die Aufnahme in die französische Ehrenlegion ab. Am 4. Juli 1934
starb sie nach langer Krankheit an Leukämie, eine Folge der
radioaktiven Strahlung, der sie sich über lange Zeit ausgesetzt hatte. |
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